1818 verhöhnt 1811 - oder: Speck & Brandy gegen Beck&Bondi

31. Dezember 2006
[  Allgemein ]
1818 verhöhnt 1811 - oder: Speck & Brandy gegen Beck&Bondi

Am 1.1.2007 verschwindet die Auskunftsnummer 111. Als Ersatz steigen
u.a. Swisscom mit der Nummer 1811 und ein internationaler Anbieter
(Auskunft AG) mit der Nummer 1818 ins Rennen. Die ersten
Werbemassnahmen sorgen bei Swisscom bereits seit einigen Wochen für
rote Köpfe: So benützt 1818 einen Schriftzug, der dem Schriftzug von
"Bluewin" ähnelt oder präsentiert heute in der SonntagsZeitung
ganzseitige "Speck&Brandy"-Inserate als Antwort auf Swisscom's
"Beck&Bondi"-Serie.

Willkommen im freien Markt. Nur: die hohen Tarif bewegen sich trotz
grösserem Wettbewerb bisher leider noch nicht... Zum Glück gibt's da
günstigere Varianten via Internet :-)


Webkrankheiten

28. Dezember 2006
[  Allgemein ]
Wer viel im Internet unterwegs ist, kann sich etwas einfangen. Nein, nicht Grippe oder Computervirus - es geht um Cyberchondrie, Google-Stalking oder Wikipediholismus. Ein Wissenschaftsmagazin hat "Krankheiten" gesammelt, die das Web hervorgebracht hat.

Neulich in der Hamburger U-Bahn, im Feierabendverkehr. Alles drängt sich. Zwei Frauen, Mitte 20, unterhalten sich ganz in der Nähe und unüberhörbar.

"Ich habe gestern mal Ex-Freunde gegoogelt."

"Warum das denn?"

"Wenn die nicht auf der ersten Seite der Suchergebnisse auftauchen, dann waren's Langweiler."

"Wenn das Langweiler waren, habe ich das schon selbst bemerkt. Daran muss ich nicht auch noch erinnert werden."

Das Gespräch entfernte sich daraufhin zügig immer weiter vom Thema Suchmaschine in Richtung des Themas Mann, es könnte aber Beispiel sein für eine Krankheit, die es nur im Zusammenhang mit dem Internet gibt: Google-Stalking, das Suchen, ja sogar Ausspionieren von alten Freunden, Kollegen, ehemaligen oder potenziellen zukünftigen Partner mithilfe von Suchmaschinen im Internet. Um den beiden belauschten Frauen nicht Unrecht zu tun: Natürlich macht die Dosis das Gift.

Doch als die Redakteure des renommierten Wissenschaftsmagazins "New Scientist" in ihrer aktuellen Ausgabe eine Liste von Internetkrankheiten erstellten, ließen sie trotz Augenzwinkerns bei den Beschreibungen keinen Zweifel: Manches Verhalten bei der Nutzung des Internet hat etwas Obsessives, Süchtiges. Experten sind nicht überrascht: "Es ist möglich, nach allem süchtig zu werden, was man so tut", zitiert "New Scientist" den Suchtforscher Mark Griffiths von der Nottingham Trent University in Großbritannien, "weil Süchte von konstanten Belohnungen abhängen."

Wissen ist Wahn (manchmal)
Für einige können diese Belohnungen Formen annehmen, von denen andere Menschen nicht träumen würden. Zum Beispiel das Redigieren von Wikipedia-Artikeln. Wikipediholismus heißt das exzessive Schreiben, Kontrollieren und Verbessern von Artikeln der freien Enzyklopädie. Bryan Derksen, mit 70.000 Änderungen einer der aktivsten Wikipedia-Freiwilligen, sagt: Wenn er in einem Artikel Fehler sehe, müsse er sie einfach korrigieren. Damit verbringe er rund zwei Stunden täglich.

Wissenssammlungen wie Wikipedia sind auch bei einer weiteren Internetkrankheit Auslöser: Infornografie (in Anlehnung an Pornografie) - die unstillbare Gier nach Informationen. Ob das Wissen irgendwelchen Nutzen hat, wird zweitrangig, es geht um das pure Anhäufen.

Zu viel Wissen über die eigene Gesundheit kann ebenfalls gefährlich sein - wenn die Informationen nichts mit der Realität zu tun haben. Kopfweh, Schnupfen, erhöhte Temperatur? Der gesunde Menschenverstand mag "grippaler Infekt" vorschlagen, doch das Internet bietet den Hypochondern dieser Welt viel, viel mehr Möglichkeiten, sich detailliert krank zu fühlen. Und einen neuen Namen gibt's dazu: Cyberchondrie, das Leiden an Krankheiten, die man sich im Internet angelesen hat.

Als weitere moderne Malaise hat "New Scientist" die Powerpointlessness ausgemacht, für die eine direkte deutsche Übersetzung nur schwer zu finden ist. Symptome: Der inflationäre Gebrauch von Powerpoint-Präsentationen lässt die Aufmerksamkeit der Betrachter so sehr abstumpfen, dass jede einzelne Folie "pointless", bedeutungslos wird.

Wie die "Powerpointlessness" steht auch der Crackberry nicht in direktem Zusammenhang mit dem Internet, und doch handelt es sich um eine High-Tech-Krankheit unserer Zeit. Laut "New Scientist" befällt sie vor allem Manager, die von dem portablen E-Mail-Empfänger so abhängig sind wie der Cracksüchtige von seiner Droge, dass sie sogar während der Beerdigung ihrer Großmutter noch die Mails checken.

Eher skurril und ebenfalls nur schwierig ins Deutsche zu übersetzen: Cheesepodding. Darunter leidet, wer aus dem Internet Lieder herunterlädt, "die so käsig sind, dass man sie in Plastikfolie packen und im Feinkostladen verkaufen könnte." "cheesy" lässt sich annähernd mit "extrem kitschig" übersetzen. Gemeint sind Songs wie "Africa" von Toto oder "More than a Feeling" von Boston, kurz: Softrock aus den 70ern und frühen 80ern. Und alles von Celine Dion.

"Alle müssen mich kennen, warum auch immer"
Das Ausleben des eigenen Geltungsbedürfnisses ist durch das WWW und vor allem die sozialen Netzwerke wesentlich einfacher als früher. Gleich mehrere Krankheiten drohen im Umfeld von Myspace, Flickr und Co. Die Gnadenlosigkeit gegen sich selbst (und die Leser), mit der viele Blogger Persönliches und Privates offen legen, bekommt den Fachbegriff Blog streaking verpasst. "Streaking" bedeutet so viel wie "in der Öffentlichkeit nackt herumlaufen." Ebenfalls getrieben von der Überschätzung der eigenen Bedeutung wird der Youtube-Narzissmus: "Nicht mal die engsten Verwandten möchten sich Stunden von Urlaubsvideos anschauen", bemerkt der "New Scientist" trocken.
Ein anderer Charakter als der eigene zu sein, Rollen zu spielen - das hat Tradition im Internet. Wer in sozialen Netzwerken vorgibt, eine Berühmtheit zu sein, begeht Myspace impersonation. Im "New Scientist" erzählt ein Computerkünstler, der auf Myspace der Eindruck erweckt, der berühmte Naturfilmer David Attenborough zu sein: "Die meisten Nutzer verstehen die Natur von Myspace. Es geht um den Spaß, es spielt keine Rolle, ob etwas echt ist oder nicht."

Für das echte Leben - fremder Menschen wohlgemerkt - interessieren sich diejenigen, die Photolurking betreiben. Sie blättern durch wildfremde Alben in Fotocommunitys wie Flickr und suchen dabei nicht nach guter Fotografie, sondern nach Privatem. Sich Hochzeitsfotos von Unbekannten anzuschauen, mag für einige wie das Erleben einer eigenen Vermählung sein. Oder - je nachdem was auf den Bildern zu sehen war - das Singledasein erscheint plötzlich als durchaus attraktiv. Wie auch immer - das Leben anderer, fremder Menschen beeinflusst die eigene Befindlichkeit.

Die eigene Befindlichkeit durch das Internet beeinflussen - das führt zurück zu den beiden Frauen vom Anfang. Wer als Mann Angst hat, bei Mädchengesprächen auf diese Art und Weise abgewatscht zu werden, mag überprüfen, wie es um seine Bekanntheit im Suchmaschinenindex steht. Exzessiv den eigenen Namen googeln - das heißt dann Egosurfing. Ein schönes Wort, das sich auf diverse Vorgänge im realen Leben auch anwenden lässt.

(via stern.de)

Die 3 Typen von Internet-Unternehmer

27. Dezember 2006
[  Allgemein ]
mismo bewegt sich nun schon seit mehr als 7 Jahren in der Schweizer Startup-Szene bewegt und hat diverse Jungunternehmer mit ihren (Internet-)Startups kennengelernt: Einige Firmen haben überlebt, die meisten aber nicht oder nicht in dieser Form. Interessanterweise bewegen sich aber immer noch in etwa die gleichen Personen in diesem Dunstkreis - tja, die Welt ist klein und in der Schweiz besonders ;-) Ganz subjektiv hat mismo festgestellt, dass sich dabei irgendwie so drei Internet-Unternehmer-Typen heraus kristallisiert haben:

Unternehmer aus Spass
Dieser Typus hat primär gute Ideen und Freude daran, diese zu diskutieren, umzusetzen und weiterzuentwickeln. Er schaut sich seine Umgebung an und findet sofort 5 Dinge, die man besser machen könnte, wobei man mit 3 davon Geld verdienen könnte. So kommt es denn auch, dass dieser Unternehmer meistens an mehreren Projekten gleichzeitig beteiligt ist. Oftmals hat er irgendwo einen Hauptjob, der ihm die finanzielle Sicherheit garantiert.

Unternehmer aus Kalkül
Dieser Typus analysiert den (internationalen) Markt und macht dann primär das, was erfolgsversprechend scheint. Die persönliche Leidenschaft ist hier weniger wichtig, der Treiber ist die Aussicht auf finanziellen Erfolg. Oftmals werden einfach internationale, erfolgreiche Projekte kopiert und für die Schweiz lanciert.

Kochbuch-Unternehmer
Diesen Typus findet man als Stammgast an Networking-Apéros und Unternehmerseminaren. Seine Lieblingswebsite ist venturelab.ch und er lernt Rezepte à la D-Way auswendig. Ausserdem verfügt er über durchdachte Businesspläne und sorgfältig formulierte Visonen und Mission Statements. Oftmals vergisst er leider, dass man Leidenschaft und Mut zur Umsetzung nicht lernen kann.

Wie immer bei so lustigen Klassifizierungen soll auch diese Aufzählung weder abschliessend noch überschneidungsfrei sein. Es geht auch gar nicht um eine Wertung dieser drei Typen, jeder für sich hat seine eigene Berechtigung.

Man könnte sich natürlich jetzt hinsetzen und zu jedem Typus ein paar aktuelle Beispiele suchen. mismo wollte euch den Spass nicht nehmen und hat bewusst keine Beispiele genannt ;-)

SoundMedia kopiert erfolgreichen ExLibris-Shop

24. Dezember 2006
[  Allgemein ]
Die Entlebucher Firma SoundMedia (früher bekannt als B&H Soundmedia) hat ihr Online-Angebot soundmedia.ch letzte Woche um einen Music-Downloadshop http://download.soundmedia.ch erweitert.

Clou der Sache: Das vermeintlich neue Angebot ist eine 1:1-Kopie (Angebot, Pricing und Technik-Partner) des erfolgreichen Schweizer Angebotes download.exlibris.ch der Migros-Tochter Ex Libris. Beide Systeme basieren auf einer ASP-Lösung des Deutschen Anbieters 24/7 MusicShop.

In diesem Sinn eine kleine Weihnachts-Aufgabe an euch: Findet mindestens 10 Unterschiede oder mindestens einen Grund, wieso die Welt auf das neue Angebot gewartet hat :). Frohe Weihnachttage!

Zattoo, bitte Software updaten!

19. Dezember 2006
[  Allgemein ]
"Live TV in Topqualität" verspricht zattoo.com: Leider erscheint derzeit bei fast allen Sendern nur der Hinweis, dass die Betreiber eine Softwareaktualisierung vornehmen müssen ;-)


Jean Frey geht an Axel Springer

19. Dezember 2006
[  Allgemein ]

Die aktuelle Kauflust scheint sich vom privaten Umfeld auch in den Geschäftsalltag zu übertragen. Nach dem gestrigen 35-Millionen schweren Wechsel von Endoxon an Google, übernimmt die Axel Springer AG mit Wirkung zum 1. Januar 2007 die Mehrheit der Jean Frey AG (u.a. Herausgeberin von Beobachter, TV Star und Bilanz) vom bisherigen Hauptaktionär Tito Tettamanti.


Google.ch kauft Schweizer Firma Endoxon

18. Dezember 2006
[  Allgemein ]

Google kauft und kauft und macht sich in Europa breit. Neuster Coup:
Google kauft die Kartenlösung der Schweizer Firma Endoxon, welche u.a. beitel.search.ch, local.ch oder goyellow.de eingebunden ist, weitere Infos direkt bei endoxon.ch.

Wir eröffnen hier das Wettbüro. Welche Schweizer Firma kauft google.com als nächstes?


Omega 3 und Fischstäbchen

18. Dezember 2006
[  Allgemein ]
Nun hat mich gerade eine Dame von irgendeinem Institut in St. Gallen angerufen und wollte mich für den Mangel an Omega 3 und ungesättigten Fettsäuren bei den Schweizern sensibilisieren... Da das Gespräch ein Meisterstück an beidseitiger Rhetorik war, will ich euch das natürlich nicht vorenthalten:

Dame: Sie haben vor Kurzem ein Informationsschreiben zum Thema "Gesundheitsbewusste Ernährung" erhalten. Darf ich fragen, ob Sie schon die Zeit hatten, dieses zu lesen?

mismo: Keine Ahnung, kann mich nicht erinnern...

Dame: Das wäre vor etwa 2 Wochen gewesen!

mismo: Schon möglich, ich erhalte täglich so viel Ramsch, da bin ich nicht zögerlich, wenn es ums Wegwerfen geht...

Dame: Wir machen drum eine Informationskampagne zum Thema Omega 3 und ungesättigte Fettsäuren: Das ist in der Schweiz momentan ein grosses Thema, da bei den Schweizern ein überdurchschnittlicher Mangel an Omega 3 herrscht.

mismo: Schon möglich, aber das interessiert mich eigentlich relativ wenig...

Dame: Aber das ist ein sehr wichtiges Thema! Die meisten Schweizer essen nur etwa einmal pro Woche Fisch und nicht wie empfohlen täglich mindestens 30 Gramm. Denn Fisch...

mismo: Danke, ich möchte mich nicht mit Ihnen darüber unterhalten...

Dame: Aber...

mismo: Auf Wiederhören!

Fazit 1: Nach dem gestrigen Artikel in der SonntagsZeitung muss ich davon ausgehen, dass dieses Institut eh nur von der Pharma gesponsert ist und mir in Tat und Wahrheit irgendein Medikament andrehen wollte!

Fazit 2: Marktforschungsinstitute haben begriffen, dass man nach dem ersten "Nein, danke" nicht mehr weiterfragen sollte - wann findet der Knowhow-Transfer zu anderen Telesales statt?

Fazit 3: mismo isst jetzt jeden Morgen ein Fischstäbchen, um auf seine 30 Gramm Fisch pro Tag zu kommen ;-)

Amiado vs. Amiando - wer kupfert hier von wem ab?

12. Dezember 2006
[  Allgemein ]
Auch wenn noch kein Schnee vom Himmel fällt, so fallen doch zahlreiche neue Community-Projekte vom Himmel: Nachdem vor ein paar Wochen amiado.com online ging, folgt jetzt amiando.com! Dem geneigten Leser stellt sich natürlich nun die Frage, wer hier wem abgekupfert hat?

Amiado.com, hinter dem die Macher der Zürcher Studentencommunity students.ch stehen, lockt mit "Freunde finden, Freunde bleiben" - bietet aber eigentlich nur eine weitere Durchschnittscommunity, wie es sie schon hundertfach gibt... Wahrscheinlich liessen sich die Jungs vom Erfolg von facebook.com inspirieren und hoffen lediglich auf ein Millionenangebot für ihr Projekt. Hinter amiando.com steht unter anderem Lukasz Gadowski, der spreadshirt-Gründer, der auch schon StudiVZ und Qype zum Durchbruch verholfen hat. Mit amiando.com lässt sich eine eigene Einladungs-Webseite gestalten, um zu Partys einzuladen, um gemeinsame Aktivitäten zu planen und um öffentliche Veranstaltungen zu organisieren.

Sind wir jetzt schlauer? Nicht wirklich! Könnte man die beiden Communitys fusionieren? Freunde finden, Freunde einladen, Freunde bleiben?